Beein­druckt von vie­len klu­gen Ideen

Foto: Stopsack

Gemein­sam besuch­ten die Mit­glie­der der FDP-FW-Frak­ti­on des Land­schafts­ver­bands West­fa­len-Lip­pe (LWL) und der FW-Frak­ti­on des Lan­des­wohl­fahrts­ver­bands Hes­sen (LWV) ein Apart­ment­haus in Bochum-Weit­mar, in dem der LWL Men­schen mit schwers­ten Mehr­fach­be­hin­de­run­gen ein selbst­stän­di­ges Woh­nen ermög­licht. Damit das funk­tio­niert, setzt das Haus auf bedarfs­ge­rech­ten Technik­ein­satz.


 

Das SeWo-Programm erzeugt überregional Interesse und Nachfrage. Das zeigt der Besuch der Mitglieder der FW-Fraktion des Landeswohlfahrtsverbands Hessen im August in Bochum. Gemeinsam mit Mitgliedern der FDP-FW-Fraktion des LWL tauschten sie sich im Apartmenthaus in Bochum-Weitmar mit Bianca Rodekohr und Annette Schmidt (SeWo/LWL) sowie Reinhard Jäger (Diakonie Ruhr gGmbH) über neue Wohnkonzepte, aktuelle Ansätzen der Behindertenhilfe und deren Finanzierung aus.

Im Apartmenthaus in Bochum-Weitmar leben seit 2010 Menschen mit komplexen Behinderungen in eigenen Apartments. Der LWL hat in einem ersten Bauprogramm dieses Wohnprojekt gemeinsam mit der Diakonie Ruhr gGmbH realisiert, durch das LWL-Tochterunternehmen Westfälisch-Lippische Vermögensverwaltungsgesellschaft bauen lassen und die zusätzliche technische Ausstattung von 900.000 Euro finanziert. Dabei haben alle Bewohner des Hauses eigene Mietverträge mit dem Investor der Immobilie, während sie die Betreuungsverträge gesondert abschließen. Lange vor dem Inkrafttreten des Bundesteilhabegesetzes wird hier also die Trennung von existenzsichernden und Fachleistungen umgesetzt.

Die Betreuung übernimmt nach Wunsch die Diakonie Ruhr gGmbH, die im Haus auch ein Service-Büro eingerichtet hat. Von dort haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter neben der persönlichen Kontaktmöglichkeit auch ein Auge darauf, dass die eingesetzte Technik verlässlich funktioniert oder dass sie im Bedarfsfall Probleme schnell beheben können. Diese Kombination aus menschlicher Betreuung und verlässlicher technischer Unterstützung gibt Sicherheit und ermöglicht es Menschen mit komplexen Behinderungen, überhaupt erst selbstständiger leben zu können, sagt der Leiter des Wohnverbunds Weitmar, Reinhard Jäger.

Dabei kommt es weniger darauf an, dass High-Tech zum Einsatz kommt. Die Apartments sehen weitgehend wie normale Wohnungen aus. Die umfangreiche und robuste Gebäudetechnik, gepaart mit geraden Grundrissen, Barrierefreiheit und Abstellräumen innerhalb der Wohnungen ermöglicht jedoch Bewegungsfreiheit und mehr Unabhängigkeit. So können sich Mieter beispielsweise über schaltbare Steckdosen morgens selbst einen Kaffee zubereiten.

Die Fraktionsmitglieder waren beeindruckt davon, wie in Bochum viele kluge Ideen und individuelle Lösungen umgesetzt wurden. Seit der Vorstellung der SeWo in Kassel im vergangenen Jahr gibt es im LWV Hessen Überlegungen, die Impulse der SeWo und des LWL aufzugreifen und zu prüfen, wie ein ähnliches Programm auch in Hessen realisiert werden kann.

Die Diakonie Ruhr gGmbH wurde im Ideenwettbewerb der SeWo mit einer weiteren Wohnidee ausgewählt (das SeWo-Projekt Weitmar II) und plant nun gemeinsam mit der SeWo, ein weiteres Projekt umzusetzen, überwiegend für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung. Dabei werden andere Arten von Technik zum Einsatz kommen, die auf die individuellen Einschränkungen und Bedürfnisse zugeschnitten sind und neue Erkenntnisse für das technikunterstützte Wohnen für Menschen mit Behinderung liefern sollen.