Digi­ta­le Teil­ha­be von Men­schen mit Lernschwierigkeiten

Vanes­sa Heit­platz ist wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin und Dok­to­ran­din am Fach­ge­biet Reha­bi­li­ta­ti­ons­tech­no­lo­gie der TU Dort­mund. Im Rah­men ihrer Dok­tor­ar­beit unter­sucht sie die Inter­net­nut­zung von Men­schen mit Lern­schwie­rig­kei­ten und ana­ly­siert, war­um die­se Per­so­nen­grup­pe trotz fort­schrei­ten­der tech­ni­scher Mög­lich­kei­ten (ins­be­son­de­re Smart­pho­nes) noch immer stark von digi­ta­len Exklu­sio­nen betrof­fen ist. In die­sem Gast­bei­trag geht sie auf die Ergeb­nis­se der Grup­pen­dis­kus­si­on von Men­schen mit Lern­schwie­rig­kei­ten ein. Die Ergeb­nis­se der Inter­views mit den Ein­rich­tungs­lei­tun­gen kön­nen in der Zeit­schrift für Teil­ha­be (Heit­platz & Sube, 2020) bereits nach­ge­le­sen werden.


Das Inter­net ist für vie­le Men­schen zu einer Selbst­ver­ständ­lich­keit gewor­den. Die fort­schrei­ten­de Digi­ta­li­sie­rung in nahe­zu allen Lebens­be­rei­chen ermög­licht es uns, von über­all auf der Welt und bei allen Akti­vi­tä­ten das Inter­net zu nut­zen. Das Smart­pho­ne ist meis­tens nur eine Hand weit ent­fernt und beglei­tet uns Tag und Nacht. Mit der Ver­brei­tung des mobi­len Inter­nets in den frü­hen 2000er Jah­ren und der Prä­sen­ta­ti­on des ers­ten inter­net­fä­hi­gen Smart­pho­nes im Jahr 2007 haben sich vie­le Digi­ta­li­sie­rungs­pro­zes­se wei­ter in Gang gesetzt und unser all­täg­li­ches Leben ver­ein­facht. Mitt­ler­wei­le sind rund 86% der Deut­schen durch­schnitt­lich online. Bei den jün­ge­ren Men­schen liegt die Online-Quo­te bei nahe­zu 100% (Initia­ti­ve D21 e.V., 2018/2019). Men­schen mit Behin­de­run­gen sind neben wei­te­ren Per­so­nen­grup­pen trotz fort­schrei­ten­der Digi­ta­li­sie­rung und neu­er tech­ni­scher Mög­lich­kei­ten wei­ter­hin stark von digi­ta­len Exklu­sio­nen betrof­fen, wel­che Nach­tei­le im sozia­len Leben mit sich brin­gen kön­nen. Weni­ger sozia­le Kon­tak­te, Nach­tei­le im Job, Ver­ein­sa­mung oder Iso­la­tio­nen sind eini­ge der Risi­ken, wel­che die­se Per­so­nen­grup­pen aus­ge­setzt sind (Pel­ka, 2017). Das Recht auf die Teil­ha­be für Men­schen mit Behin­de­run­gen an neu­en Tech­no­lo­gien wird in der UN-Behin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on u.a. in den Arti­keln 4 und 9g kon­kre­ti­siert. Dar­über hin­aus erge­ben sich neue Anfor­de­run­gen und Mög­lich­kei­ten durch das BTHG . Mit dem Ziel, den Men­schen mehr Selbst­be­stim­mungs­rech­te ein­zu­räu­men, könn­te sich auch das The­ma Digi­ta­li­sie­rung und Inter­net­zu­gang noch ein­mal völ­lig neu dar­stel­len. Trotz allem soll­te die Teil­ha­be an der digi­ta­len Welt, wel­che für einen Groß­teil der west­li­chen Bevöl­ke­rung selbst­ver­ständ­lich ist, auch für Men­schen mit Behin­de­run­gen zu einem selbst­ver­ständ­li­chen Bestand­teil gehö­ren. Men­schen mit Lern­schwie­rig­kei­ten kön­nen zum Bei­spiel von Sprach­be­die­nung des Smart­pho­nes stark pro­fi­tie­ren. Auch Apps zum Manage­ment des Tages­ab­lau­fes oder Ein­stel­lungs­mög­lich­kei­ten wie Face-ID oder Fin­ger­print-Sen­so­ren zur Ent­sper­rung des Dis­plays, kom­men die­sen Per­so­nen entgegen.

For­schungs­vor­ge­hen in den Fokusgruppen

Der Gast­bei­trag wid­met sich den Ergeb­nis­sen der Fokus­grup­pen, dar­über hin­aus wur­den wei­te­re Inter­views mit Lei­ten­den Mit­ar­bei­ten­den und päd­ago­gi­schen Fach­kräf­ten geführt, die hier nicht aus­ge­führt wer­den können.

Ins­ge­samt nah­men 50 Men­schen mit Lern­schwie­rig­kei­ten in ins­ge­samt 11 Fokus­grup­pen teil. Die Grup­pen­grö­ße betrug zwi­schen 3–6 Per­so­nen pro Grup­pe. Eine Grup­pen­dis­kus­si­on dau­er­te zwi­schen 45 und 60 Minu­ten. Im Fokus der Grup­pen­dis­kus­si­on stand das The­ma Digi­ta­le Medi­en und Inter­net­nut­zung. Den Teil­neh­men­den wur­den fol­gen­de Fra­gen gestellt:

  • Wel­che Gerä­te nutzt ihr, um ins Inter­net zu kommen?
  • War­um nutzt ihr gera­de die­ses Gerät/diese Geräte?
  • Wel­che Apps nutzt ihr?
  • War­um nutzt ihr die­se Apps?
  • Was wünscht ihr euch für eure digi­ta­le Zukunft?

Die­se Fra­gen wur­den in Leich­te Spra­che umge­wan­delt. Mit den Bild­kar­ten wur­de eine Aus­wahl von Gerä­ten oder Anwen­dun­gen und Apps prä­sen­tiert. Kurz­über­blick über die Ergebnisse

Smart­pho­ne zur Kom­mu­ni­ka­ti­on und Nut­zung Sozia­ler Medien

Das Smart­pho­ne liegt in der Beliebt­heits­ska­la der Teil­neh­men­den vor dem Tablet an obers­ter Stel­le. Von den 50 Teil­neh­men­den besa­ßen 38 Per­so­nen ein eige­nes Smart­pho­ne. Als Haupt­grün­de für die Smart­pho­ne-Nut­zung nann­ten die Teil­neh­men­den die Mög­lich­keit des ein­fa­chen Zugangs zum Inter­net über Apps und die Mög­lich­keit der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Freun­den und Fami­lie. Ins­be­son­de­re die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mög­lich­keit und das Erreich­bar sein für Ande­re scheint einen sehr hohen Stel­len­wert ein­zu­neh­men, wie fol­gen­des Zitat verdeutlicht:

Mei­ne Fami­lie kann mich immer errei­chen, wann die wol­len, wo die wol­len. Also ich bin für die immer da“ (Zitat eines Teilnehmenden).

Ein wei­te­rer Teil­neh­men­der merkt an, war­um ein Smart­pho­ne mit Inter­net und Whats­App wich­tig ist:

Weil ich das doof fin­de, wenn alle Leu­te mit einem Han­dy her­um lau­fen, die Inter­net haben und so und ich dann kein Inter­net habe. Dann kann ich mich nicht mit Leu­ten ver­ab­re­den oder sagen, ich kann jetzt nicht zu euch kom­men oder so. Dann kann ich nur anru­fen, das ist auch blöd. Des­we­gen woll­te ich ein Han­dy mit Inter­net haben, so dass ich mich mit Freun­den ver­ab­re­den oder über Whats­App unter­hal­ten kann“ (Zitat eines Teilnehmenden).

Die Ana­lystics-Platt­form Sen­sor Tower (sensortower.com) ver­öf­fent­licht regel­mä­ßig eine Rang­lis­te der welt­weit belieb­tes­ten Apps. Schaut man sich die aktu­el­le Sta­tis­tik aus dem Monat April 2020 an, fällt auf, dass Face­book und Whats­App auf Platz 3 und 4 (nach Zoom und Tik­Tok) über die meis­ten Down­loads ver­fü­gen. So wun­dert es auch nicht, dass die belieb­tes­ten App-Anwen­dun­gen der Teil­neh­men­den das sozia­le Netz­werk Face­book und der Instant-Messaging-Dienst Whats­App sind. Kurz dar­auf folg­ten wei­te­re Anwen­dun­gen wie das Musik hören über You­Tube oder die Nut­zung von Insta­gram und Snap­chat. Auch Spie­le-Apps sowie Foto­be­ar­bei­tungs­ap­ps waren unter den Teil­neh­men­den beliebt. Auf­fäl­lig ist jedoch, dass neben der Nut­zung von Sozia­len Medi­en und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­an­wen­dun­gen wenig Teil­neh­men­de etwas über Apps zur Gestal­tung des all­täg­li­chen Lebens wuss­ten (z.B. Goog­le Maps, Apps zur Orga­ni­sa­ti­on und Struk­tu­rie­rung des Smart­phone­bild­schirms, Deut­sche Bahn App) oder über die Nut­zung von Sprach­be­die­nung zur Recher­che von Infor­ma­tio­nen. (Bos­se, 2012) merkt an, dass sich gegen­wär­tig die Dis­kur­se um Medi­en­bil­dung auch expli­zit an Men­schen mit Behin­de­run­gen wen­den, aber der Bereich den­noch ein sehr jun­ger sei, wel­chen es in Zukunft wei­ter aus­zu­bau­en gilt. Die vor­lie­gen­den Ergeb­nis­se zei­gen, dass die Medi­en­kom­pe­tenz­för­de­rung auf allen Ebe­nen, also nicht nur auf der Ebe­ne der rei­nen Nut­zung, son­dern auch auf Ebe­nen der Medi­en­re­fle­xi­on, der Medi­en­kun­de oder auch der akti­ven Medi­en­ge­stal­tung zu einer inklu­si­ven Medi­en­bil­dung dazu­ge­hö­ren muss. Nur so kann es gelin­gen, auch Men­schen mit Behin­de­run­gen kom­pe­tent an der digi­ta­len Welt teil­ha­ben zu lassen.

Tech­ni­sche Fea­tures und Mar­ke als Haupt­grün­de für Smartphone-Auswahl

Wei­ter­hin konn­te auch fest­ge­stellt wer­den, dass die Teil­neh­men­den gro­ßen Wert auf die Mar­ke ihres Smart­pho­nes leg­ten. Die meis­ten Teil­neh­men­den besa­ßen ein Sam­sung-Gala­xy-Modell und eini­ge Teil­neh­men­de auch Apple-Gerä­te. Güns­ti­ge Smart­pho­ne-Model­le gibt es im Inter­net bereits ab ca. 70€. Nur zwei Teil­neh­men­de ver­füg­ten über ein „No-Name-Han­dy“. Dies ist vor dem Hin­ter­grund über­ra­schend, dass Men­schen mit Lern­schwie­rig­kei­ten häu­fig über kein bzw. ein sehr gerin­ges finan­zi­el­les Ein­kom­men ver­fü­gen, wie fol­gen­des Zitat verdeutlicht:

Ich möch­te auch ger­ne so ein Smart­pho­ne haben. Aber das ist ja teu­er so ein Gerät, das ist ja das Pro­blem. Und ich ver­die­ne ja auch nicht so viel in der Werk­statt. Das sind ja nur 161€, mehr nicht“ (Zitat einer Teilnehmenden).

Fast alle Teil­neh­men­den bekom­men ihre Gerä­te von den Eltern oder ande­ren Fami­li­en­mit­glie­dern zu beson­de­ren Anläs­sen, wie Weih­nach­ten oder Geburts­ta­gen, geschenkt. Trotz­des­sen äußern die Teil­neh­men­den ganz kla­re Vor­stel­lun­gen von ihrem Wunsch-Smart­pho­ne, wel­che sich vor allem an tech­ni­schen Fea­tures ori­en­tie­ren. Eine Teil­neh­me­rin mit Lern­schwie­rig­keit und zusätz­li­cher Seh­be­ein­träch­ti­gung besitzt ein iPho­ne, da die­ses über eine gut funk­tio­nie­ren­de Voice­Over-Funk­ti­on ver­fügt, wel­che ihr den All­tag erleichtert:

Ich habe ein iPho­ne, das ist etwas Beson­de­res. Das iPho­ne ist ja von der Fir­ma Apple. Das ist mit Voice­over“ (Zitat eines Teilnehmenden).

Die Teil­neh­me­rin berich­tet wei­ter, dass sie zuvor ein Tas­ten­han­dy benutz­te, hier aber eine extra Soft­ware benö­tig­te, damit „das Han­dy spricht“. […] und das muss­te man extra bean­tra­gen und das war extra teu­er“ (Zitat eines Teilnehmenden).

Eine ande­re Teil­neh­me­rin besitzt ein Sam­sung Gala­xy S8 und berich­tet, dass dies ihr Lieb­lings­han­dy sei, weil das für sie sicher sei, „wenn einer mei­nen Code nicht weiß und ich das mit dem Fin­ger­ab­druck machen kann“ (Zitat eines Teilnehmenden).

In den bei­den Zita­ten wer­den zwei Punk­te deut­lich. Zum einen der Kos­ten­fak­tor: Eine assis­ti­ve Tech­no­lo­gie mit einer Zusatz- und/oder Spe­zi­al­soft­ware ist im Ver­gleich zu einem Smart­pho­ne rela­tiv teu­er. Zwar wer­den eini­ge Hilfs­mit­tel über die Kran­ken­kas­sen bezahlt, doch Zuzah­lun­gen sind kei­ne Sel­ten­heit. Zum ande­ren ver­fü­gen die aus­ge­wähl­ten Gerä­te meis­tens über tech­ni­sche Fea­tures, wie zum Bei­spiel Face-ID oder Fin­ger­print­sen­so­ren, mit wel­chen Men­schen mit Lern­schwie­rig­kei­ten ihr Gerä­te ohne das Mer­ken eines Pins ent­sper­ren kön­nen. Das Ent­sper­ren des Dis­plays und das Mer­ken des Pins stellt für vie­le Men­schen mit Lern­schwie­rig­kei­ten eine ech­te All­tags­her­aus­for­de­rung dar. Auch die Bedie­nung des Smart­pho­nes ins­ge­samt emp­fin­den sie als deut­lich leich­ter als im Ver­gleich zu vor­he­ri­gen Han­dy­m­o­del­len. Auf die Fra­ge, wie die Teil­neh­men­den zuvor mit dem „Tas­ten­han­dy“ zurecht­ge­kom­men sind, beschreibt eine Teilnehmerin:

Da muss­te man so oft drü­cken bis der Buch­sta­be kommt, das war so ner­vig. Zum Tele­fo­nie­ren war das ok, aber zum Nach­rich­ten schrei­ben war das ganz gemein“ (Zitat einer Teilnehmenden).

Pro­ble­me mit dem Smartphone

Trotz allen Vor­tei­len gibt es auch eini­ge Pro­ble­me, mit denen sich die Teil­neh­men­den kon­fron­tiert füh­len. Die Pro­ble­me las­sen sich aus den Zita­ten in unter­schied­li­chen Berei­chen kategorisieren:

  • Bedie­nung der Sprachfunktion
  • All­ge­mei­ne Verständnisschwierigkeiten
  • Inter­net­zu­gang
  • Bedie­nung & Einstellungen

Die Bedie­nung des Smart­pho­nes fin­den vie­le Teil­neh­men­de hilf­reich, da Men­schen mit Lern­schwie­rig­kei­ten häu­fig Lese- und Schreib­schwie­rig­kei­ten auf­wei­sen. Den­noch ist vie­len nicht klar, wie man die Sprach­funk­ti­on ein­stellt, wel­che Code­wör­ter man ver­wen­den muss, um die Sprach­funk­ti­on zu akti­vie­ren und wel­che Mög­lich­kei­ten aber auch Gren­zen die­se bie­tet. Zu den all­ge­mei­nen Ver­ständ­nis­schwie­rig­kei­ten zäh­len Schwie­rig­kei­ten beim Ver­ste­hen des Zusam­men­hangs zwi­schen Akku­ka­pa­zi­tät und Nut­zungs­fre­quenz und Daten­vo­lu­men und Inter­net­kon­sum. Die Teil­neh­men­den äußern, dass ihr Akku häu­fig kaputt sei, ver­ste­hen aber nicht, dass eine hohe Nut­zungs­fre­quenz dafür sorgt, dass die Akku­ka­pa­zi­tät schnell erschöpft ist. Ähn­lich ver­hält es sich beim Daten­vo­lu­men. Eben­falls fällt es den Teil­neh­men­den schwer zu ver­ste­hen, wie das Inter­net über­haupt auf ihr Smart­pho­ne kommt. Die ver­schie­de­nen Mög­lich­kei­ten, wie zum Bei­spiel Inter­net per Ver­trag, über das WLAN oder Pre­paid-Kar­ten sind den Teil­neh­men­den zwar vom Wort­laut her bekannt, aber sie kön­nen es nicht rich­tig nach­voll­zie­hen und ver­ste­hen. Auch bei der Bedie­nung all­ge­mein tre­ten Pro­ble­me auf. Hier äußern die Teil­neh­men­den, dass sie Schwie­rig­kei­ten beim Anneh­men eines Anru­fes haben und dass es sie ärgert, wenn das nicht funk­tio­niert. Zudem tre­ten häu­fig Fra­gen bei der Her­stel­lung der WLAN-Ver­bin­dung auf, bei der Ein­stel­lung des Smart­pho­nes und ins­be­son­de­re von Fin­ger­print- und Face-ID Einstellungen.

Ins­ge­samt wün­schen sich die Teil­neh­men­den mehr Hil­fe und Unter­stüt­zung bei der Ein­rich­tung ihres Smart­pho­nes, vor allem beim App-Down­load. Außer­dem haben Sie Pro­ble­me damit zu ver­ste­hen, war­um ihr Spei­cher immer voll ist oder wie­so das Inter­net­vo­lu­men auf­ge­braucht ist. Die Fokus­grup­pen­dis­kus­sio­nen konn­ten zei­gen, dass ein hoher Nach­hol­be­darf bei die­sen The­men besteht. Die Teil­neh­men­den selbst äußern zusätz­lich den Wunsch nach mehr Kurs­an­ge­bo­ten zum The­ma Daten­schutz bei Face­book und Whats­App und beim Blo­ckie­ren von Freundschaftsanfragen.

Tablet wird mit Fami­li­en­mit­glie­dern geteilt

Das Tablet ist häu­fig das Gerät zwei­ter Wahl. Zwar besitzt es vie­le ähn­li­che Funk­tio­nen wie das Smart­pho­ne, doch die Teil­neh­men­den mer­ken an, dass sie das Tablet häu­fig mit ande­ren Fami­li­en­mit­glie­dern tei­len müs­sen. Das Smart­pho­ne hin­ge­gen ist ihr eige­nes, ganz pri­va­tes Gerät. Dies scheint auch all­ge­mein in der deut­schen Bevöl­ke­rung ver­brei­tet zu sein. Mül­ler (2013) stellt fest:

Beim Tablet besteht im Ver­gleich zum Smart­pho­ne eine weni­ger indi­vi­du­el­le Bin­dung, da es oft­mals nicht nur von einer Per­son, son­dern auch vom Part­ner oder der gan­zen Fami­lie genutzt wird“ (Mül­ler, 2013)

Die Nut­zung des Tablets erfolgt meis­tens dann, wenn der Bild­schirm für die Anwen­dung auf dem Smart­pho­ne zu klein ist. Für das Anschau­en von You­Tube-Vide­os oder Fil­men wird dann, sofern man sich zu Hau­se befin­det, eher das Tablet als das Smart­pho­ne genutzt.

Ja, das Tablet ist grö­ßer. Da ist das Bild schon grö­ßer als auch dem Han­dy. Auf dem Han­dy ist der Dis­play klei­ner“ (Zitat eines Teilnehmenden).

Ähn­lich ver­hält es sich bei Online-Spie­len. Je nach­dem, um wel­ches Spiel es sich han­delt, wird das Tablet oder sogar der Lap­top bevor­zugt genutzt. Einen Desk­top-PC nutz­te kein Teil­neh­men­der mehr.

Zusam­men­ge­fasst ist das Smart­pho­ne das Gerät der ers­ten Wahl. Die Teil­neh­men­den wün­schen sich, mehr über des­sen Nut­zung und die Viel­falt der App-Anwen­dun­gen zu erfah­ren und Unter­stüt­zung bei Fra­gen zu erhal­ten. Die tech­ni­schen Fea­tures zusam­men mit der leich­ten Bedie­nung durch die Touch­feld-Ober­flä­che und den viel­fäl­ti­gen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten machen das Smart­pho­ne zu einem wich­ti­gen Gerät, auch für Men­schen mit Lernschwierigkeiten.

Fazit

Die Ergeb­nis­se der Grup­pen­dis­kus­si­on konn­ten auf­de­cken, dass das Smart­pho­ne das der­zeit belieb­tes­te Gerät unter den Teil­neh­men­den ist. Dies ist nicht so ver­wun­der­lich, da auch in der deut­schen Bevöl­ke­rung das Smart­pho­ne bei so gut wie allen Men­schen an ers­ter Stel­le steht. Inter­es­sant hin­ge­gen sind die Kri­te­ri­en, nach wel­chen die Teil­neh­men­den ihr Gerät aus­wäh­len. Es wer­den sehr kon­kre­te Aspek­te genannt (z.B. Fin­ger­print, Face-ID, Sprach­be­die­nung, Voice Over Funk­ti­on), wel­che häu­fig für die Teil­neh­men­den einen Teil ihrer Beein­träch­ti­gung kom­pen­sie­ren. Dem­nach kön­nen Lese- und Recht­schreib­de­fi­zi­te z.B. durch die Sprach­be­die­nung in vie­len Fäl­len kom­pen­siert und eine Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Freun­den und der Fami­lie betrie­ben wer­den. Die Beein­träch­ti­gung ist dadurch so prä­sent, wie sie es bei einer schrift­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on wäre. Auch den ein­fa­chen Zugang zum Inter­net durch Apps wie Face­book, Insta­gram und Co. schät­zen die Teil­neh­men­den sehr.

Trotz aller Mög­lich­kei­ten exis­tie­ren Pro­ble­me und Her­aus­for­de­run­gen, bei denen sich Men­schen mit Lern­schwie­rig­kei­ten mehr Hil­fe aus dem sozia­len Umfeld wün­schen. Hier­bei geht es vor allem um die Bedie­nung des Smart­pho­nes, die Ein­rich­tungs- und Ein­stel­lungs­mög­lich­kei­ten und die Ein­stel­lung und Nut­zung der Sprach­be­die­nung. Auch bei der Instal­la­ti­on und Ein­rich­tung von Apps sowie beim Ver­ständ­nis über Inter­net, Daten­vo­lu­men und Akku­ka­pa­zi­tät besteht Auf­hol­be­darf. Um die­se Inhal­te zu ver­mit­teln, benö­tigt es eine inklu­si­ve Medi­en­bil­dung, wel­che in Deutsch­land der­zeit noch in den Kin­der­schu­hen steckt. Neben den geäu­ßer­ten Wün­schen und Bedar­fen der Teil­neh­men­den in den Grup­pen­dis­kus­sio­nen konn­te auch gezeigt wer­den, dass die Medi­en­nut­zung der­zeit noch stark auf Sozia­le Netz­wer­ke und Whats­App begrenzt ist. Ange­bo­te der Medi­en­bil­dung soll­ten auch wei­te­re Mög­lich­kei­ten der Inter­net­nut­zung und Apps auf­zei­gen und die Mög­lich­keit des Aus­pro­bie­rens und Tes­tens ermöglichen.

Lite­ra­tur­ver­zeich­nis


Barr, O., McC­on­key, R.O.Y. & McCo­na­ghie, J. (2003). Views of Peop­le with Lear­ning Dif­fi­cul­ties about Cur­rent and Future Accom­mo­da­ti­on: The use of focus groups to pro­mo­te dis­cus­sion. Disa­bi­li­ty & Socie­ty, 18(5), 577–597. https://doi.org/10.1080/0968759032000097834
Bos­se, I. (2012). Stan­dards der Medi­en­bil­dung für Men­schen mit Behin­de­rung in der Schu­le. Lud­wigs­bur­ger Bei­trä­ge zur Medi­en­päd­ago­gik, (15/2012), 1–6.
Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les. (2018). Bun­des­teil­ha­be­g­setz. Online ver­füg­bar unter: https://www.bmas.de/DE/Schwerpunkte/Inklusion/bundesteilhabegesetz.html [20.05.2020].
Initia­ti­ve D21 e.V. (2018/2019). D21 Digi­tal Index 2018/2019: Jähr­li­ches Lage­bild zur Digi­ta­len Gesell­schaft. Lam­perts­wal­de: Sto­ba Druck GmbH.
Mül­ler, T. (2013). Habi­tua­li­sier­te Mobil­nut­zung – Smart­pho­nes und Tablets gehö­ren zum Medi­en­all­tag: Ergeb­nis­se der ARD-Mobil­stu­die. Media Per­spek­ti­ven, 60(9), 410–422.
Pel­ka, B. (2017). Digi­ta­le Teil­ha­be: Auf­ga­ben der Ver­bän­de und Ein­rich­tun­gen der Wohl­fahrts­pfle­ge. In H. Krei­den­weis (Ed.), Digi­ta­ler Wan­del in der Sozi­al­wirt­schaft: Grund­la­gen- Stra­te­gien- Pra­xis (pp. 57–80). Baden-Baden: Nomos.
Schulz, M., Mack, B. & Renn, O. (2012). Fokus­grup­pen in der empi­ri­schen Sozi­al­wis­sen­schaft. Wies­ba­den: VS Ver­lag für Sozi­al­wis­sen­schaf­ten. Ver­füg­bar unter: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2F978‑3–531-19397–7.pdf [20.05.2020].