Ein ein­ge­spiel­tes Team

Gruppenfoto (drinnen) mit Monika Laumann, Prof. Dr. Friedrich Dieckmann und Theresia Haßler von der Katholischen Hochschule NRW

Das SeWo-Team der Katholischen Hochschule NRW(v. l.): Monika Laumann, Prof. Dr. Friedrich Dieckmann und Theresia Haßler. Foto: LWL/Thorsten Arendt

Das SeWo-Pro­gramm – und damit auch die Fort­schrit­te der 15 Wohn­pro­jek­te – wer­den von Anfang an auch wis­sen­schaft­lich beglei­tet und aus­ge­wer­tet. In der Aus­schrei­bung dazu hat sich die Katho­li­sche Hoch­schu­le NRW in Müns­ter (KatHO NRW) durch­ge­setzt. Im Inter­view erzählt Prof. Dr. Fried­rich Dieck­mann, der mit sei­nem Team die­se Auf­ga­be über­nom­men hat, wel­che Erwar­tun­gen er an die kom­men­den Jah­re hat.

Herr Prof. Dieckmann, warum ist es wichtig, dass ein Projekt wie das SeWo-Programm wissenschaftlich begleitet wird?

Wir beschäftigen uns am Institut für Teilhabeforschung der KatHO NRW schon seit langem mit dem sozialraumorientierten Wohnen von Menschen mit Behinderung. In Deutschland wird viel Geld dafür investiert, entsprechende Wohnsettings zu schaffen und Unterstützungsleistungen zur Verfügung zu stellen. Leider wird aber nur selten auch empirisch überprüft, was sich tatsächlich im Alltag bewährt und inwieweit bestimmte Gestaltungselemente beim Wohnen auf andere Vorhaben übertragbar sind. Modellprojekte sind ja nicht dazu da, ganz gewöhnliche neue Angebote von Trägern der Behindertenhilfe zu finanzieren. Das SeWo-Projekt bietet uns die Chance, genau zu studieren, wie die Teilhabe im Sozialraum am besten strukturell vorbereitet wird und Menschen im Alltag unterstützt werden können. Gleichzeitig reizt es uns, zu sehen, wie mit Ambient-Assisted-Technologien und anderen digitalen Techniken die Selbstbestimmung, Selbständigkeit und Teilhabe verbessert werden kann.

Wie wollen Sie bei der Evaluation des Projektes vorgehen? Was sind die Inhalte und Ziele Ihrer Begleitung?

Die wissenschaftliche Begleitung von Wohnprojekten, die noch in der Planung sind, ist gar nicht so einfach. Die Projektbeteiligten müssen ja aus ihren Ideen erst einmal tragfähige Konzepte mit klaren Angaben zu ihren Zielen, Strukturen und Prozessen entwickeln und dann entscheiden, wie sie sozialraumorientierte Arbeit leisten und technische Unterstützung einsetzen wollen. Genau das werden wir im ersten Schritt evaluieren. Anschließend werden wir zusammen mit den Beteiligten die Alltagspraxis dokumentieren, die sich im Laufe der Zeit entfalten wird. Dabei ist es besonders wichtig, zu schauen, wie sich sozialraumorientiertes Arbeiten und technische Unterstützung auf die konkrete Teilhabe der einzelnen Bewohnerinnen und Bewohner auswirken, die frühzeitig beteiligt werden müssen, und, ob messbare Auswirkungen erzielt werden.

Prof. Dr. Friedrich Dieckmann leitet das wissenschaftliche Team an der Katholischen Hochschule NRW. Foto: LWL/Thorsten Arendt

Was für eine Ausbildung haben Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Wir sind ein eingespieltes Team und werden das Projekt über einen Zeitraum von vier Jahren begleiten. Für das Thema Sozialraumorientierung konnten wir Monika Laumann (geb. Höwelhans) gewinnen. Sie hat einen Masterabschluss in Heilpädagogik, arbeitet zurzeit noch im Projekt „MUTIG“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und wird auf eine Doktorandenstelle an der KatHO NRW wechseln. Unsere Expertin für technische Innovationen ist Theresia Hassler, die ebenfalls einen Masterabschluss in Heilpädagogik hat. Sie hat zum Beispiel die Internetnutzung von Bewohnerinnen und Bewohnern mit geistiger Behinderung in Wohnheimen und ambulant unterstützten Wohnsettings untersucht und ist aktuell in einem Projekt zu Methoden der Wohnforschung aktiv.

Ein kleiner Blick in die Zukunft: Was sind Ihre Erwartungen bezüglich der SeWo-Projekte?

Ich hoffe, dass alle Beteiligten die Chance nutzen werden, etwas Neues zu schaffen, das die personenzentrierte Unterstützung der Teilhabe wirklich voranbringt. Im internationalen Vergleich gibt es in Deutschland immer noch zu große Heimstrukturen. Kleinteilige Wohn- und Unterstützungssettings stehen Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf immer noch nicht offen. Deutschland ist führend in dem Bemühen, Inklusion im Quartier und soziale Netzwerke zu schaffen. Aber was die Nutzung technischer Möglichkeiten angeht, haben wir hier etwa im Vergleich mit den skandinavischen Ländern oder den Niederlanden einen immensen Nachholbedarf. Wichtige Akteure, wie die Anbieter der Eingliederungshilfe, der Landschaftsverband als Leistungsträger und die Westfälisch-Lippische Vermögensverwaltungsgesellschaft als Bauinvestor, müssen außerdem den Mut haben, wirklich etwas Neues auszuprobieren – und eben nicht mehr zögerlich in alten Strukturen zu denken. Wir von der KatHO NRW werden uns mit den methodischen Herausforderungen beschäftigen, die uns begegnen werden, wenn wir die innovativen Elemente dieser Wohnprojekte konstruktiv und verallgemeinerbar auswerten wollen – auch im Hinblick darauf, dass sehr unterschiedlich kompetente und verschieden beeinträchtigte Menschen die Wohndienste nutzen werden.