SliQ-Befra­gung: Infos zu Hil­fen sind schwie­rig zu fin­den

Auf dem Foto sitzen drei Menschen, einer davon im Rollstuhl, unter einem Pavillon in einer Fußgängerzone und sprechen miteinander.

Das Bürgersofa wanderte während der zweijährigen Befragung von Ort zu Ort und diente in dieser Zeit als Treffpunkt, Befragungs- und Austauschplattform. Foto: SliQ

Das Pro­jekt „SliQ – Selbst­stän­dig leben im Quar­tier“ befrag­te Men­schen danach, wie sie im Alter oder mit Behin­de­rung leben und woh­nen wol­len – und wie früh und auf wel­che Wei­se sie sich dar­über infor­mie­ren. Die Ergeb­nis­se stellt das Team auf einer öffent­li­chen Abschluss­ta­gung in Rhei­ne am 13. Dezem­ber 2018 vor.

Selbstständig dort alt zu werden, wo man möchte, ob in der Stadt oder auf dem Land: Das klingt nach einem selbstverständlichen Wunsch. Ob und wie sich dieser erfüllen kann, das versuchte das Projekt „SliQ – Selbstständig leben im Quartier“ herauszufinden, das die Stift Tilbeck GmbH im Januar 2016 startete – in Kooperation mit der praxisHochschule Rheine, der Gemeinde Nottuln und der Stadt Rheine und als Modellvorhaben gefördert von der Stiftung Wohlfahrtspflege.

Das Projektteam befragte dazu Menschen in der Gemeinde Nottuln (Kreis Coesfeld) und im Stadtteil Dorenkamp von Rheine (Kreis Steinfurt) mit Fragebögen, die die Befragten ausfüllen und in öffentliche Briefkästen werfen konnten. Parallel dazu gingen die Projektbeteiligten auch in die Quartiere und sprachen die Bewohnerinnen und Bewohner direkt an, um deren Wünsche und Anregungen zu hören.
Ein besonderer Ansatz als qualitative Befragungsmethode war dabei zum Beispiel das Bürger-Sofa. Das Projekt-Team stellte eine gepolsterte und leicht gebogene Sitzbank auf, vor der ein Teppich lag – von oben betrachtet sah dieses Ensemble wie das Projektlogo aus. Auf der Bank, die an beliebten Plätzen in Nottuln und Rheine aufgebaut wurde, wurden die Bürgerinnen und Bürger interviewt. Zudem wurde eine Aktion mit Postkarten gestartet, auf denen Wünsche und Ideen für das Quartier benannt werden konnten.

Nun stehen die Ergebnisse fest. Dem SliQ-Projekt ist es erstmalig im deutschsprachigen Raum gelungen, wissenschaftlich nachzuweisen, dass sich die meisten Menschen im Alter und auch Menschen mit Behinderung nicht präventiv mit Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten im Quartier auseinandersetzen – egal, ob sie auf dem Land oder in der Stadt leben. Diese entsprechenden Angebote werden erst dann wichtig, wenn die eigene selbstständige Lebensführung akut in Gefahr ist bzw. sich verbessern soll. Erst dann macht sich die Mehrheit auf die Suche nach passenden Hilfen.
Das ist aber oft nicht einfach, obwohl es zum Beispiel in den beiden Regionen zusammen über 70 solcher Angebote gibt: Der Zugang zu Informationen fehlt, viele Anbieter sind nicht untereinander vernetzt. Eine Lösung, die in dem Projekt entstand, ist eine cloudbasierte Datenbank, in der alle Angebote zentral gespeichert und mobil durch vorher definierte Lotsen im Quartier abgerufen werden können.

Das Foto zeigt eine halbkreisförmige Sitzbank aus Holz, die mit pinkem Leder bezogen ist und in einem Raum vor einem großen Fenster steht.

Das Bürgersofa. Foto: SliQ

Mehr zum Projekt und zu den Ergebnissen ist auf der öffentlichen Abschlusstagung im Audimax Mathias-Spital Rheine am 13. Dezember 2018 von 11 – 15 Uhr zu erfahren. Anmeldungen sind bis zum 30.11.2018 unter der Mail-Adresse n.ruppert@praxishochschule.de möglich.